Fachoberschüler beim Amtsgericht Altenburg

05.04.2018

Wir, die Klasse FOW 17/2, besuchten zu Beginn des 2. Schulhalbjahres das Amtsgericht in Altenburg im Rahmen des Sozial- und Rechtskundeunterrichts. Wir durften an zwei öffentlichen Verhandlungen teilnehmen, um den Ablauf eines Verfahrens kennenzulernen. In der ersten Verhandlung ging es um Beleidigung und Körperverletzung und in der zweiten um Diebstahl. Die Verhandlungen gingen jeweils ungefähr 60 Minuten.

 

Als wir am Amtsgericht ankamen, wurden wir einer Ausweiskontrolle und einer Personenkontrolle unterzogen. Danach ging es in den Gerichtssaal. Wir nahmen auf den Besucherplätzen Platz und die Richterin und die Staatsanwältin erklärten uns noch den genaueren Ablauf der Verhandlungen. Vor den Besucherplätzen, also direkt vor uns, saßen die Zeugen, um ihre Aussage zu tätigen. Nach ihrer Aussage konnten sie sich dann ebenfalls auf die Besucherplätze setzen, jedoch vor ihrer Aussage saßen die Zeugen draußen, um nicht durch andere beeinflusst zu werden. Rechts neben dem Tisch der Zeugen hatte die Staatanwaltschaft, die aus einer Staatsanwältin und einer Rechtsreferendarin bestand, ihren Platz. Vor den Zeugen saßen die Richterin und die Assistentin der Richterin. Links neben den Zeugen nahmen die jeweiligen Angeklagten Platz, üblicherweise mit ihrem Anwalt. In beiden Verhandlungen hatten die Angeklagten jedoch keinen Anwalt.

Und dann begann auch schon die erste Verhandlung, in der es um Beleidigung und Körperverletzung ging. Der Angeklagte wurde in den Gerichtssaal gebeten, belehrt und zu seiner Person befragt. Die Staatsanwaltschaft eröffnete das Verfahren. Der Herr K. soll am 24.06.2016 die Uroma seiner Tochter beleidigt und anschließend verletzt haben.

 

Zu dem Streit kam es, da seine Ex-Freundin mit der Tochter umgezogen war, obwohl das Gericht dies noch nicht entschieden hatte. Nach einem Kindergartenfest schaukelte sich die Situation hoch und eskalierte dann an der Wohnung der Uroma. Nachdem die Anklage erhoben wurde, äußerte sich der Angeklagte und war sich keiner Schuld bewusst.

Nach und nach wurden die Zeugen verhört. Das waren einmal seine Ex-Freundin, die Uroma seiner Tochter und auf Wunsch des Angeklagten seine eigene Mutter. Vor ihrer Aussage belehrte die Richterin die Zeuginnen und führte eine Personenbefragung durch. Die Aussagen der Ex-Freundin und der Uroma waren am Anfang glaubwürdig, jedoch kam es dann hin und wieder zu Widersprüchen. Die eigene Mutter des Angeklagten konnte nicht viel zur Aufklärung des Falls beitragen, sagte aber trotzdem aus. Nach jeder Zeugenaussage befragten die Richterin und die Staatanwaltschaft genauer die verhörten Zeugen, um noch bestehende Unklarheiten zu beseitigen. Am Ende kam es dann zu dem Beschluss, dass der Angeklagte 100 Arbeitsstunden gemeinnützige Arbeit binnen 4 Monaten leisten muss, aufgrund der Tatsache, dass er arbeitsuchend ist. Nachdem er die Arbeitsstunden geleistet hat, wird das Verfahren eingestellt.

Zwischen beiden Verhandlungen war nicht viel Zeit, also begann gleich die zweite, worin ein Diebstahl im Kaufland aufgeklärt wurde.

Diesmal gab es zwei Angeklagte, Mutter und Tochter, denen eine Straftat vorgeworfen wurde. Auch hier wurden die Angeklagten durch die Richterin belehrt und einer Personenbefragung unterzogen. Die Staatanwaltschaft eröffnete wieder die Verhandlung. Den Angeklagten wurde vorgeworfen am 02.11. 2016 im Kaufland einen Diebstahl begangen zu haben. Die Mutter wurde als erstes verhört und anschließend deren Tochter. Beide sagten aus, dass die Anklage stimme und brachen sofort in Tränen aus.

Die Frauen entschuldigten sich aufrichtig und gestanden, dass sie einen großen Fehler begangen haben. Auf Nachfrage der Richterin, schilderte die Mutter wie es zu dem Diebstahl gekommen ist und wie sie mit ihrer Tochter vorgegangen ist. Die Gegenstände, die die beiden Frauen entwendet haben, hatten einen Gesamtwert von 259,31 €. Laut eigenen Aussagen waren das alles Gegenstände, die sie gebraucht haben. Warum die Frauen geklaut haben, wussten sie selber nicht. Es war eine spontane Idee, die nicht aus Geldnot heraus entstanden ist. Fraglich waren der Richterin und der Staatsanwaltschaft, ob die entwendeten Gegenstände wirklich dringend benötig wurden. Dem Gericht war es sehr unverständlich, wofür man gleich fünf Speicherkarten, zwei LED-Schneemänner, einen Schokoladenweihnachtsmann und vieles mehr benötige.

 

Laut Aussage hat die Tochter begonnen Gegenstände einzustecken, was die Mutter bemerkte. Anstatt die eigene Tochter vom Diebstahl abzuhalten, machte die Mutter mit. Dem Ladendetektiv, der danach noch als Zeuge verhört wurde, fielen die beiden Frauen auf, da die sie die Etiketten und die Umverpackung der Ware entfernten und dann einsteckten. Der Detektiv ließ die Angeklagten zur Kasse gehen, wobei die beiden einen Teil ihres Einkaufs bezahlten und den anderen Teil illegal entwendeten. Nachdem sie die Kassen durchlaufen hatten, stellte sie der Ladendetektiv zur Rede und verlangte die geklaute Ware zurück, die die Frauen dann auch herausgaben.

 

Wie später aus den Aussagen der Angeklagten ersichtlich wurde, haben diese sich beim Kaufhaus entschuldigt und die Detektivgebühr bezahlt. Nach den Aussagen der Angeklagten und der Zeugen wurde wieder ein Beschluss erhoben. Binnen vier Monate hat die Mutter eine Geldauflage von 300,00 € an einen Bewährungshilfeverein zu zahlen, da sie einen Minijob hat. Die arbeitsuchende Tochter hat 80 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Die Tochter versuchte noch mit der Richterin zu handeln, um auch eine Geldauflage zu bekommen, da sie keine Lust hatte, arbeiten zu gehen. Die Richterin ließ sich jedoch nicht darauf ein. Sobald die Geldauflage und die gemeinnützige Arbeit geleistet worden ist, wird das Verfahren eingestellt.

Unsere Vorstellungen und Erwartungen wurden erfüllt, jedoch fanden wir den Gerichtssaal etwas zu klein. Laut unserer Meinung, war die Strafe in der ersten Verhandlung angemessen, da die Aussagen der Zeugen nicht wirklich glaubwürdig erschienen. In der zweiten Verhandlung hätten wir jedoch, aufgrund der Tatsache, dass es ein Diebstahl in einem relativ hohen Wert war und die Mutter selber als Verkäuferin arbeitet, eine härtere Strafe erwartet. Wenn die Richterin die Frauen verurteilt hätte, werden beide in das Strafregister eingetragen worden. Dies führe dazu, dass die Mutter wahrscheinlich ihre Arbeitsstelle verlöre und die Tochter erst gar keine bekäme.

Im Großen und Ganzen war es aber eine interessante Erfahrung, die wir machen durften.

 

Denise Weiser und Lara Werner